Direkt nach dem Schlaganfall
- Stephan Siegmund
- 22. Juli 2022
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 17. Sept. 2022
Aphasie, bewegungsunfähig, nichts zu essen - die erste Zeit nach einem Schlaganfall ist schwierig !
Für mich hat sich die Welt am 24.1.2021 verändert. Ich bin mal eben zum Steuerberater in unsere Nachbarstadt gefahren um etwas abzuholen. Da traf mich der Schlag auf dem Weg zum Auto und ich erinnere mich noch, dass ich mich fast hilflos in mein Auto gerettet hatte und einem Passanten begreiflich machte, dass ich nicht betrunken sei und gerettet werden wollte.
Ich erinnere mich auch noch an den Rettungswagen, die Fahrt im Rettungswagen und die Einlieferung in Marburg, teilweise.
Ich wurde später im Krankenhaus wieder wach und hatte nur noch meine linke Körperhälfte. Meine rechte spüre ich noch, aber ich kann sie nicht mehr bedienen wie früher. Ich konnte ihr sagen, was sie machen soll, aber es gibt darauf keine Reaktion. Früher passierte da automatisch etwas. Anscheinend war die Hilfe etwas zu spät gekommen.
Da ich keinen Besuch haben durfte, wegen Corona, habe ich mir so meine eigenen Gedanken gemacht. Ich hatte das sehr schnell kapiert, dass ich einen Schlaganfall hatte. Ich habe den Zustand des gelähmt - seins anscheinend irgendwie akzeptiert. Darüber macht sich ein gesunder Mensch keine Gedanken.
Ab da ging alles nur noch mit der linken Hand. Vor dem Schlagangfall war ich Ingenieur und künstlerisch tätig, habe geschrieben, war Rechtshänder, war selbständig tätig, habe gern getanzt und war fast jeden Tag joggen. Ich war auch oft im Fitnesscenter. Okay, ich habe gelegentlich ein paar Zigarillos geraucht und gern gegessen, auch ungesundes Essen wie Fast Food. Außerdem habe ich Bluthochdruck und leide unter Schlafapnoe. Das alles sollte man ernst nehmen.
Ich war zu sehr Genießer und ich war zu ignorant gegenüber diesen Problemen. Ich habe den Schlaganfall im Prinzip riskiert, ohne zu wissen, was ich da riskiere, ohne zu begreifen,
dass ich mein ganz normales Leben riskiere.
Und ich habe gedacht, dass ich für einen Schaganfall ganz einfach noch zu jung bin. Ich wollte einfach nicht realisieren, dass ich da schon auf Messers Schneide unterwegs war.
Bereits in Marburg in der Stroke Unit wurde ich mobilisiert. Das war schon gut so. Irgendwie erinnere ich mich an einen Sessel oder etwas Ähnliches. Ich erinnere mich an viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die sich um mich gekümmert haben und mich mobilisiert haben. Meine Prognose auf Besserung sei gut. Meinen ersten Rollstuhl bekam ich erst in der Reha, aber ich wurde irgendwie schon in der Stroke unit auf Matratzen gesetzt oder so. Es war schwierig, so gelähmt wie ich war.
Anfangs bekam ich wohl künstliche Nahrung. Ich erinnere mich an großen Durst in der Klinik und an einen Schlauch in meiner Nase. Ich erinnere mich an schlechte Zahnpflege in der Klinik und in der Reha, Zahnpflege mit Fruchtgeschmack. Ich erinnere mich an den Katheder. Ohne Katheder geht es nicht.
Ich habe mir viele Dinge eingebildet, die gar nicht sein können. Mein Bett wanderte des Nachts in meiner Einbildung von einem Ort zum anderen. Teilweise 50 km weit. Das Bett war zu. Die Gitter waren hoch. Die Ausstattung des Zimmers blieb komischerweise immer gleich.
Von dem Transfer von der Klinik in die Reha von Marburg nach Bad Wildungen weiß ich fast nichts mehr. Es war ein Liegendtransport und es waren zwei Frauen und ein Mann, die mich Überführt haben, Samariter?
Erst als ich in der Rehaklinik angekommen bin, setzt meine Erinnerung wieder langsam ein. Ich erinnere mich, dass ich mich erinnere, aber ich weiss nicht mehr, woran ich mich erinnere. Ich war zuerst auf Station 5 in der Reha-Klinik, die liegt im 5. Stock. Ich bekam meinen Rollstuhl und erkundete meine Umgebung. Meine Kreise wurden immer größer.
Ich fuhr auch mal in der Reha-Klinik an Orten herum, wo ich eigentlich nicht hin durfte. Oft mit Maske. Ich wurde auch mal zurückgeschickt. Im Erdgeschoss beim Empfang war ein Automat mit Cola-Zero, den besuchte ich öfters. In Station 10 jenseits der Brücke stand ein Automat mit Süssigkeiten und ein Kaffee-Automat, dort war ich auch gelegentlich. Am Ende der Reha musste ich in den Keller zu einem CT, da war ich auch schonmal gewesen.
Sobald ich meinen PC wieder bedienen konnte, schrieb ich Dinge auf. Kurze Sätze zunächst. Ich werden weiter berichten.

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